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Interview mit Hans Tönjes Redenius im SWR2 Hörfunk
Beitrag SWR2 "Ein Abenteurer in Bingen: Hans Tönjes Redenius" von Ursula Böhmer
Anmod.:
Schiffsjunge, Wasserschutzpolizist, Pfarrer und Lehrer, Schriftsteller: Das sind in Kürze die Lebensstationen des Hans Tönjes Redenius. Der gebürtige Hamburger lebt seit zehn Jahren in Bingen. Selbstredend, dass der bald 70jährige viel zu erzählen hat, bei diesem Hemmingway'schen Leben. Zwölf Bücher hat er bislang geschrieben, in denen immer wieder auch Biografisches durchschimmert. Auf der Buchmesse Frankfurt wurde nun kürzlich sein neuester Roman vorgestellt: „Kubatraum `57“ heißt das Buch, in dem Redenius seine Jugend wiederaufleben lässt. Als Schiffsjunge war er 1957 nach Kuba gekommen und hatte sich dort den Freiheitskämpfern um Fidel Castro angeschlossen - bevor die bittere Realität ihn einholte. Ursula Böhmer hat Hans Tönjes Redenius in Bingen getroffen.
Beitrag SWR2 Hans Tönjes Redenius
Antike Plüschsessel und Wandschränke. Über dem Sofa hängen Ikonen. Hans Tönjes Redenius hat es sich bei einer Tasse Kaffee gemütlich gemacht, beugt sich über sein neues Buch:
Hans Tönjes Redenius Sehen Sie, hier sind drei kleine Fotos, und das bin ich, als 17jähriger! Da unten sehen sie Raoul Castro, Nachfolger vom Fidel, das ist auch Che Gurevara und da oben ist auch Guevara am Panzer.
„Kubatraum `57“ heißt Tönjes Redenius Roman, der überwiegend auf autobiographischem Material basiert. In Hamburg geboren, wird Redenius Familie im Krieg dreimal ausgebombt. Die Familie kann sich kein Schulgeld leisten, Redenius heuert als Schiffsjunge an - da ist er gerade mal 14. Drei Jahre lang lernt er die Welt kennen, auch Geisteswelten: Linkes Gedankengut, das kommunistische Manifest machen an Bord die Runde.
Hans Tönjes Redenius Wir stellten uns eine Welt vor, und träumten von ihr, in der es keinen Krieg und keine bösen Buben und Mädchen gab, keine bösen Politiker oder machthungrige Leute gab - sondern wir wollten einfach eine friedliche Welt.
Musik Son de Cuba CD2, No 14, 6 Sek
In Kuba scheint die vermeintliche Friedenswelt gerade verwirklicht zu werden, durch Fidel Castro. Redenius lässt sich überreden, sich den Revolutionskämpfern anzuschließen. Zunächst in Havanna, lernt er nicht nur die Reize Kubas kennen, sondern auch das soziale Gefälle zwischen Arm und Reich. In einem Urwald-Lager wird er zum Guerilla-Kämpfer ausgebildet, begegnet den Revolutionsführern Raoul Castro - und Che Guevara:
Hans Tönjes Redenius Was er wirklich fürn Typ war, weiß ich nicht. Aber wenn er einen angeschaut hat, dann hatte man immer das Gefühl, das ist ein ganz ungewöhnlicher Mensch und der kann es nur gut meinen! Und das hat dann auch bei mir zu einer großen Enttäuschung geführt, dass er im Grunde derjenige war, der ohne mit der Wimper zu zucken, die Leute in den Tod geschickt hat.
Die bestialische Folter und Hinrichtung einiger Gefangener lässt Redenius schließlich umdenken. Mit einem Freund flieht er aus dem Lager, wird nach wochenlanger Wanderung von Anhängern des feindlichen Batista-Regimes gefasst, landet im Gefängnis.
Hans Tönjes Redenius Das war sehr unangenehm, das kann man wohl sagen, zumal das Gefängnis kein Dach hatte. Und da regnet’s viel in Kuba, auch immer von oben in die Zellen rein. Gut, wir sind nicht sonderlich gepeinigt worden. Das, was wir da haben mitmachen müssen, ließ sich irgendwie ertragen, aber trotzdem wünsche ich es niemandem. Aber was hängen geblieben ist, ist: So sind die Menschen.
Redenius und sein Freund können fliehen - und gelangen auf einem deutschen Schiff schließlich wieder zurück nach Hamburg. Dort lässt sich Redenius als Wasserschutzpolizist ausbilden, was ihm wenig zusagt. Über den 2. Bildungsweg wird er evangelischer Pfarrer, unterrichtet als Lehrer. Mit sechzig geht er in den vorzeitigen Ruhestand, zieht nach Bingen, um endlich einen alten Traum zu verwirklichen: Das Schreiben. Redenius hat viel durchgemacht - bereuen tut er nichts.
Hans Tönjes Redenius Ich wünsche mir, dass junge Menschen auch heute noch so unbelastet glauben dürfen und auf etwas Schöneres im Leben zugehen, was sie vielleicht nie erreichen werden, aber trotzdem: Es steht ihnen zu zu träumen und Jugendliche träumen immer - ich war 20 Jahre Lehrer am Gymnasium und es hat mir 20 Jahre lang Spaß gemacht, mit den jungen Menschen zu träumen.
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"Kamillenblumen" von Ute Bales
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